Alte Straßennamen oder
Wie das Siebengebirge ins Vorgebirge kam
Am 1. August 1969 trat das Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) in Kraft. Dieses Gesetz stellte eine umfassende kommunale Gebietsreform für die Stadt Bonn und den damaligen Siegkreis dar. Im Zuge dieser Reform wurden die Gemeinden Bornheim, Hersel (mit Ausnahme des Ortsteils Urfeld) und Sechtem zur neuen Gemeinde Bornheim, später Stadt Bornheim, zusammengeschlossen.
Seitens des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen bestand seinerzeit das Bestreben, Ortsanschriften zu vereinheitlichen und zu vereinfachen. Vor dem Hintergrund der erwarteten zunehmenden elektronischen Datenverarbeitung sollte künftig ausschließlich der Gemeindename als
amtliche Ortsbezeichnung verwendet werden. Bezeichnungen wie „Bornheim-Walberberg“ sollten daher zugunsten der einheitlichen Anschrift „Bornheim“ entfallen. Diese Neuregelung machte es erforderlich, sicherzustellen, dass jeder Straßenname innerhalb des neuen Gemeindegebiets nur einmal vergeben war. Mehrfach vorhandene Straßennamen, wie beispielsweise „Bahnhofstraße“ oder „Kirchstraße“, die jeweils siebenmal vorkamen, mussten daher umbenannt werden.
In der Sitzung vom 15. September 1970 beschloss der Planungs- und Verkehrsausschuss der Gemeinde Bornheim, die neu zu vergebenden Straßennamen nach ortsteilbezogenen Themen zu gestalten. Für Rösberg wurden beispielsweise Namen von Gebirgen vorgesehen, für Kardorf Namen von Gehölzen und für Waldorf Namen von Blumen. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die Siebengebirgs-, Eifel- und Taunusstraße in Rösberg, die Buchen- und Pappelstraße sowie der Eichenweg in Kardorf sowie die Rosen-, Dahlien- und Begonienstraße in Waldorf.
Für die neuen Straßennamen in Hemmerich wurde das Thema „Berge“ vorgesehen. In diesem Zusammenhang entstanden unter anderem die Petersberg-, Stromberg- und Ölbergstraße, deren Bezeichnungen auf Erhebungen des Siebengebirges Bezug nehmen. Von dem festgelegten Benennungsschema konnte jedoch abgewichen werden, sofern örtliche Gegebenheiten oder historische Bezüge dies nahelegten. So wurde beispielsweise die St. Aegidiusstraße in St.-Agatha-Straße umbenannt.
In derselben Sitzung wurde zudem angeregt, bei Straßennamen auf vorangestellte Wörter wie „Am“, „An der“, „Auf dem“ oder „Im“ zu verzichten. In Hemmerich führte dies schließlich dazu, dass aus „Am Waasem“ die Waasemstraße und aus „Auf der Heide“ die Heiderbergstraße wurde.
Die vorgeschlagenen Straßenumbenennungen wurden anschließend zur Vorberatung an die jeweiligen Bezirksausschüsse überwiesen. Der Bezirksausschuss Bornheim erarbeitete in seiner Sitzung vom 30. September 1970 einen konkreten Vorschlag, der unter anderem die Straßenumbenennungen in Hemmerich umfasste. Dieser Vorschlag wurde vom Planungs- und Verkehrsausschuss am 7. Oktober 1970 mit geringfügigen Änderungen als Empfehlung an den Hauptausschuss weitergeleitet. Die endgültige Beschlussfassung über die Umbenennung der Straßennamen erfolgte schließlich in der Sitzung des Hauptausschusses am 28. Oktober 1970.
Eine Gesamtübersicht der Hemmericher Straßennamen und der dazugehörigen Änderungsvorschläge findet
sich im folgenden Ausschnitt aus der Niederschrift der Sitzung des Planungs- und Verkehrsausschusses der Gemeinde Bornheim vom 7. Oktober 1970. In diesem Zusammenhang erhielt auch die Petersbergstraße ihren Namen, die bis dahin als Planstraße zwischen Jennerstraße und Burgbenden geführt wurde.

Unser besonderer Dank gilt dem Stadtarchiv der Stadt Bornheim, insbesondere Herrn Dr. Oelgemöller und Frau Glaeser, für die wertvolle Unterstützung bei der Recherche zu diesem Artikel sowie für die Bereitstellung der Sitzungsniederschriften zu den Straßenumbenennungen in Bornheim im Jahr 1970.

